Verbier Festival
Histoire_20ans

Leitbild

Das Verbier Festival ist ein Festival für klassische Musik, das den Austausch zwischen großen Meistern und jungen Musikern aus der ganzen Welt fördert. Seine Ausbildungsprogramme stehen für Spitzenqualität im Bereich der Nachwuchsförderung. Die Festivalbesucher erwartet ein einzigartiges und geselliges Ereignis im Herzen der Schweizer Alpen mit erstklassigen Konzerten, neuen Begegnungen und verschiedenen kostenlosen Zusatzaktivitäten.

Eine Erfolgsgeschichte

In den frühen Neunzigerjahren hatte Martin T:son Engstroem, nachdem er zwölf Jahre als Künstleragent gearbeitet hatte, eine ambitionierte Idee: ein Sommerfestival im Herzen der Schweizer Alpen ins Leben zu rufen, fernab von den großen Städten, in denen die meisten Festivals stattfinden. Verbier bot die intime Atmosphäre, die seiner Meinung nach nötig war, um musikalische Spitzenleistungen zu fördern und gleichzeitig weltoffen zu sein. Er dachte an ein Festival mit einem residierenden Jugendorchester und einer Academy, wo renommierte Künstler die nächste Generation unterrichten würden und das Publikum von frühmorgens bis spät am Abend auf ein großes Angebot an Aktivitäten zurückgreifen könnte. Im Jahr 1994 wurde seine Vision zur Realität.

Mit Hilfe seines Freundes Avi Shoshani, dem Generalsekretär des Israel Philharmonic Orchestra, stellte er in der ersten Saison ein spektakuläres Programm auf die Beine. Evgeny Kissin gab sein erstes Piano-Rezital und der Violinist Maxim Vengerov beendete sein Konzert inmitten des auf der Bühne versammelten Publikums – ein magischer Moment purer Intimität. Auch Dmitry Sitkovetsky, Mischa Maisky, Gidon Kremer, Yefim Bronfman, Yuri Bashmet und Frans Helmerson waren mit von der Partie und die musikalische Festival-Familie begann, Kontur anzunehmen. An diesem idyllischen Ort arbeiteten Künstler, die vorher nie miteinander gespielt hatten, im Rahmen origineller Kammermusik-Programme zusammen – der Startschuss der heute berühmten „Rencontres Inédites“.

Auch der Ruf der Verbier Festival Academy entwickelte sich durch Legenden wie Isaac Stern, der die damals sehr jungen Violinisten David Garrett und Renaud Capuçon unterrichtete, lange bevor sie sich einen Namen machten. Von überall in Verbier sprudelte die Musik – sogar von den Berggipfeln – ganz im Stil eines echten Festivals.

1996 eröffneten Barbara Hendricks, das Orchestre Mondial des Jeunesses Musicales und Antonio Pappano das Festival vor einem vollen Konzertzelt. Immer mehr berühmte Dirigenten nahmen an dem Programm Teil. Zwischen Yuri Temirkanov und dem Festival begann eine lange Freundschaft, die bis heute anhält. Kent Nagano überredete Popstar Björk dazu, Schönbergs Pierrot Lunaire zu singen. Weitere legendäre Künstler ließen sich blicken: Martha Argerich, Radu Lupu, Ida Haendel, Igor Oistrakh, Dimitri Bashkirov, Lynn Harrell und Gary Hoffman.

1998 entstand eine Reihe parallel stattfindender Gratis-Events: Das Fest’Off war geboren!

Im Jahr 2000 wurde ein weiterer Meilenstein erreicht: die Gründung des Verbier Festival Orchestra (VFO) unter der musikalischen Leitung von James Levine. 110 Musiker im Alter von 16 bis 29 Jahren aus vielen verschiedenen Ländern, gecoacht von Gruppenleitern des Metropolitan Opera Orchestra, spielten zusammen sechs Konzerte auf dem Festival und starteten im Herbst eine internationale Tournee.

2003, zur Eröffnung der 10. Saison, ließ James Levine die monumentale Elektra von Strauss spielen und Luana Devol zog die Zuhörer mit ihrer beachtlichen Darbietung in den Bann. An einem verrückten “Birthday Extravaganza”-Abend erschien der Maestro gemeinsam mit Evgeny Kissin, Martha Argerich, Leif Ove Andsnes, Emanuel Ax, Lang Lang, Mikhaël Pletnev, Nicolas Angelich und Staffan Scheja, um eine Auswahl von Klavierwerken für 4, 8 und 16 Hände zu spielen – darunter auch Bachs berühmtes Konzert für vier Klaviere in Begleitung eines Streichorchesters mit Starbesetzung.

2005 war geprägt von der Einführung einer Rezital-Reihe um 20 Uhr mit einigen der weltbesten Performer:  Garrick Ohlsson (der Beethovens gesamten Sonaten-Zyklus spielte), Ivry Gitlis, Piotr Andrszewski, Nelson Goerner, Anne-Sophie Mutter, Janine Jansen u.a. Es war der Beginn einer Tradition und einige Künstler wie Joshua Bell und Leonidas Kavakos kehrten danach praktisch jedes Jahr zurück.

2006 formierte sich aus den talentiertesten Musikern des VFO das Verbier Festival Chamber Orchestra (VFCO), das fortan in Begleitung großartiger Solokünstler Kammermusikrepertoire interpretierte. Hinzu kamen pädagogische Aktivitäten für Erwachsene und Kinder – Verbier Festival Discovery genannt.

Spätestens 2007  übernahm Gábor Takács-Nagy die musikalische Leitung des VFCO und ganz Verbier war von morgens bis abends mit Musik und Leben erfüllt. Das Veranstaltungsangebot hatte sich in nur fünf Jahren verdoppelt und obendrein ermöglichte eine 2008 unterzeichnete Kooperation etwa 760.000 Menschen auf der ganzen Welt, sich die Konzerte in Verbier live im Internet anzusehen.

2009 wurde Charles Dutoit zum Musikdirektor des VFO, das bis zum heutigen Tag als eines des besten Ausbildungsorchester der Welt betrachtet wird. Die bemerkenswerte Aufführung von Don Giovanni mit einigen der seinerzeit besten Bariton-Sänger – Bryn Terfel, René Pape und Thomas Quasthoff – wurde mit ihrer geballten Ladung an Völlerei, Spott, Frechheit und schierer Cleverness zum unbestrittenen Höhepunkt des Sommers.

2010 zog das Festival vom Zelt in eine halbpermanente Konzerthalle, die Salle des Combins. Dort führte das Béjart Ballet Lausanne an einem Abend im Jahr 2011 Strawinsky auf.

2013 empfing Verbier zum ersten Mal sechzig talentierte Musiker im Alter von 15 bis 18 Jahren als Mitglieder des Verbier Festival Junior Orchestra (VFJO). Seitdem bietet das VFJO jungen Musikern jedes Jahr die Gelegenheit, unter der musikalischen Leitung des britischen Dirigenten Daniel Harding zu üben und die ersten Sprossen auf der musikalischen Karriereleiter zu erklimmen. Diese letzte Initiative, 20 Jahre nach der ersten, bewies ein weiteres Mal Engstroems Weitblick und Ambition. Er hat eine Plattform für junge Musiker und große Künstler geschaffen und dem internationalen Publikum ein dynamisches Musik-Erlebnis geschenkt. Verbiers Zauber hält unvermindert an und es kommen sicherlich noch weitere Überraschungen auf uns zu….

Michèle Larivière